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06.12.2011 13:00 Alter: 78 Tage

Menschen mit Behinderung? Menschen mit Potential

Aktionswoche „Menschen mit Behinderung“ vom 5. bis 9. Dezember 2011 // Agentur für Arbeit und Jobcenter Bochum informieren und beraten Arbeitgeber


Ein neuer Job mit 57: Martina Fischer, Geschäftsführerin des Jobcenter Bochum, und Werner Bracht, Geschäftsführer der Diakonischen IntegrationsBetriebe Dortmund-Bochum-Lünen, überreichen Rüdiger Bürger (ganz rechts) seinen Arbeitsvertrag im CAP-Markt.

Schwerbehinderte Mitarbeiter? Viele Unternehmen halten sich auch heute noch bei der Einstellung schwerbehinderter Menschen zurück. Dabei bergen gerade Menschen mit Behinderung ein großes Potential. Sie sind oft gut qualifiziert und hochmotiviert; Arbeit besitzt für sie einen hohen Stellenwert. Daher informieren in dieser Woche die Agenturen für Arbeit und die Jobcenter bundesweit Arbeitgeber über die Chancen, die schwerbehinderte Mitarbeiter für ein Unternehmen bieten. Auch in Bochum sind die Arbeitsvermittler aus den Teams für Rehabilitanden und Schwerbehinderte unterwegs.

„Wir wollen die Barrieren und die falschen Vorstellungen in den Köpfen mancher Unternehmer abbauen“, sagt Udo Glantschnig, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bochum. „In Zeiten des zunehmenden Fachkräftebedarfs auf qualifizierte, schwerbehinderte Mitarbeiter zu verzichten, ist fast schon fahrlässig.“ Zumal die Agentur für Arbeit und das Jobcenter Bochum die Arbeitgeber nicht alleine lassen. Ob passgenaue Beratung durch spezialisierte Arbeitsvermittler, Probebeschäftigung, Zuschüsse bei der Einstellung oder finanzielle Unterstützung bei der behindertengerechten Ausstattung von Arbeitsplätzen, die Hilfsangebote für die Unternehmen sind vielfältig. „Wichtig ist, dass wir miteinander ins Gespräch kommen“, so Glantschnig.

Beim CAP-Lebensmittelmarkt der Diakonie in Bochum-Laer hat das geklappt. „Die ersten Kontakte liefen schon Anfang des Jahres“, sagt Martina Fischer, Geschäftsführerin des Jobcenters Bochum. Mit der Eröffnung des Geschäftes im Mai wurde die Zusammenarbeit dann intensiviert. Jetzt hat der CAP-Markt mit Rüdiger Bürger einen schwerbehinderten Kunden des Jobcenter Bochum eingestellt. „Wir hatten mit dem Jobcenter zunächst eine dreiwöchige Probebeschäftigung vereinbart und waren mit der Motivation des Herrn Bürger dann so zufrieden, dass wir ihm einen Arbeitsvertrag angeboten haben“, sagt Werner Bracht, Geschäftsführer der Diakonischen IntegrationsBetriebe Dortmund-Bochum-Lünen gGmbH. Die Zusammenarbeit von Jobcenter und CAP-Markt endet damit nicht: Zur Stabilisierung des Arbeitsverhältnisses erfolgt für eine weitere Zeit die Förderung mit einem Beschäftigungszuschuss.

Rüdiger Bürger ist mit seiner neuen Stelle als Auslieferungsfahrer mehr als zufrieden: „Ich habe nicht mehr damit gerechnet, dass ich noch einen Job finde.“ Der 57jährige gelernte Maler und Lackierer ist seit knapp neun Jahren schwerbehindert. Als er kurz darauf seine Stelle verlor, gelang es ihm trotz intensiver Bemühungen nicht mehr, eine Festanstellung zu finden. Seit 2009 war er Kunde des Jobcenter. „Das ist jetzt vorbei, es geht wieder aufwärts.“

Und damit ist Rüdiger Bürger nicht allein. So hat das Jobcenter Bochum von Januar bis Oktober 199 schwerbehinderte Kunden in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt und die Agentur für Arbeit konnte in diesem Jahr allein durch ihre maßgeschneiderten Maßnahmen für Rehabilitanden bereits 60 Menschen in Arbeit bringen. Das ist jeder zweite der insgesamt 120 Teilnehmer. Die Zahl arbeitsloser Schwerbehinderter in Bochum ist trotz dieser Erfolge über das Jahr gesehen mit knapp 1500 Menschen jedoch nahezu unverändert geblieben.

Dies zu ändern, wird im nächsten Jahr ein besonderer Schwerpunkt der Agentur für Arbeit und des Jobcenter Bochum sein, wie Udo Glantschnig sagt: „Unser Ziel muss es sein, dass möglichst viele Unternehmen mittelfristig die gesetzlich verankerte Mindestbeschäftigungsquote von 5 Prozent erfüllen. Hier müssen noch dicke Bretter gebohrt werden. Heute zahlen leider noch zu viele Unternehmen lieber die Ausgleichsabgabe.“ Für Glantschnig ist das aus zwei Gründen zu kurz gedacht: „Das kostet Geld und hindert die Unternehmen an der Ausschöpfung der guten fachlichen Potenziale und einer meist überdurchschnittlichen Motivation, die schwerbehinderte Kollegen in einen Betrieb einbringen.“ Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter Bochum gehen hier mit gutem Beispiel voran. So sind in der Agentur 12,4 Prozent aller Mitarbeiter schwerbehindert und beim Jobcenter sind es 11,0 Prozent.