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12.03.2012 15:41 Alter: 8 Jahre

Stadtteilmütter erobern ganz Bochum

Zweite Gruppe des NRW-Modellprojektes hat zum 1. März praktische Arbeit aufgenommen / Insgesamt 30 Migrantinnen bauen jetzt Brücken zu Migranten-Familien in neun Bochumer Stadtteilen / Erste Stadtteilmutter in Arbeit integriert


Bauen Brücken zu Migranten-Familien: Die neuen Stadtteilmütter für Bochum.

In Goldhamme und Querenburg gehören sie schon zum Straßenbild: die 15 Stadtteilmütter, die seit sechs Monaten Familien mit Migrationshintergrund über die vielfältigen sozialen Angebote in Bochum informieren. Jetzt erobern die Stadtteilmütter das ganze Stadtgebiet: eine zweite Gruppe mit 15 neuen Frauen startete am 1. März mit Einsatzorten in der Innenstadt, in Hamme, Riemke, Langendreer, Werne, Höntrop und Wattenscheid. Damit sind die Stadtteilmütter jetzt in neun Bochumer Stadtteilen präsent.

Das Projekt „Stadtteilmütter in Bochum“ des Jobcenter Bochum und der Diakonie Ruhr ist auf 18 Monate angelegt und gliedert sich in drei Phasen. Nach einer Einstiegsqualifizierung gehen die Frauen für 12 Monate in die Stadtteile, wo sie Verbindungen zu Familien schaffen sollen, die für soziale Angebote sonst nur schwer erreichbar sind. In dieser Zeit sind die Frauen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im Anschluss werden die Frau auf ihrem Weg in den 1. Arbeitsmarkt begleitet: entweder durch ein direkte Vermittlung in Arbeit oder durch eine zielgerichtete Anschlussfortbildung oder Umschulung.

Nurhan Dogruer-Rütten, Integrationsbeauftragte der Stadt Bochum, begrüßt den Einsatz der Stadtteilmütter in Bochum: „Die Stadtteilmütter leisten einen wichtigen Beitrag für die Integrationsarbeit in unserer Stadt; sie können Barrieren abbauen und in je mehr Stadtteilen sie das tun, umso erfolgreicher gelingt das.“

Martina Fischer, Geschäftsführerin des Jobcenter Bochum, ergänzt: „Für uns als Jobcenter ist es ein besonderes Anliegen, Menschen mit Migrationshintergrund zu fördern und dauerhaft zu integrieren. Mit ‚Stadtteilmütter in Bochum‘ sind wir da auf einem guten Weg. Die Kombination aus Qualifizierung und einjähriger Beschäftigung erhöht die Chancen der Frauen auf dem 1. Arbeitsmarkt enorm.“ Das zeigt sich schon jetzt: Nach 6 Monaten Arbeit als Stadtteilmutter hat die erste Frau eine sozialversicherungspflichtige Anstellung gefunden.

Das ist auch das Ziel von Mirjana Konda. Die 40jährige, alleinerziehende Albanerin hat jetzt vor zwei Wochen als Stadtteilmutter in Langendreer begonnen: „Ich habe lange darauf gewartet, an dem Projekt teilzunehmen. Jetzt werde ich mein bestes geben und hoffentlich auch die richtigen Kontakte knüpfen, um nachher einen festen Job zu bekommen. Arbeiten hält mich jung und gesund.“

Vorbereitet wurden Mirjana Konda und die 14 anderen Stadtteilmütter in einer fünfmonatigen Schulung durch die Diakonie Ruhr in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk Dortmund. Auf dem Stundenplan standen Themen wie gesunde Ernährung, Gesundheitsvorsorge, Erziehungshilfen und Suchtprävention. Und auch während der Arbeit als Stadtteilmütter unterstützt die Diakonie die Frauen, so Eckhard Sundermann, Fachbereichsleiter Psychosoziale Hilfen der Diakonie Ruhr: „Wir kennen die Stadtteile sehr genau und haben viele Kontakte vor Ort. Zudem stehen den Frauen eine Fachanleiterin und ein Jobcoach tagtäglich zur Verfügung, die sie bei allen Fragen und bei der Suche nach einem Arbeitsplatz beraten.“

Svetlana Mihhailova, seit September 2011 als Stadtteilmutter in Goldhamme/Querenburg unterwegs, kann das nur bestätigen: „Ich fühle mich gut betreut und weiß mittlerweile ganz genau, wie ich die Menschen erreiche und welche Hilfe Migranten am meisten brauchen.“ In ihrer roten Tasche hat sie wie alle Stadtteilmütter Broschüren, Flyer und Ratgeber dabei, um ihren Gesprächspartnern gleich die richtigen Informationen an die Hand zu geben. Und der Bedarf ist hoch, das haben ihr die vergangenen sechs Monate deutlich gezeigt.