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23.03.2015 15:58 Alter: 5 Jahre

Individuell, intensiv, erfolgreich

Bochumer JobOffensive zieht Bilanz


Dirk Tenbensel betreut im St. Anna-Stift Senioren wie die 82-jährige Anneliese Miodunski.

‚Intensivere Betreuung = mehr Jobvermittlungen“, dass diese einfache Gleichung aufgeht, zeigte das Modellprojekt „JobOffensive“ des Jobcenter Bochum, das jetzt offiziell endet. Zwei Jahre lang betreuten 14 Arbeitsvermittler jeweils 100 Kunden und konnten seit dem Start im März 2013 bis heute gut 2.000 Menschen in Arbeit vermitteln. Dirk Tenbensel ist einer von ihnen.

Seit dem 1. Januar arbeitet der 48jährige Bochumer als Betreuungskraft in der St. Anna-Stift gGmbH, Pflege- und Wohnheim der Gemeinde Liebfrauen in Altenbochum. Eine Stelle, von der er vor einem dreiviertel Jahr nicht einmal mehr geträumt hätte. Nach 25 Berufsjahren hatte der gelernte Altenpfleger Ende 2012 seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen und sich arbeitslos gemeldet. Es folgten eine Weiterbildung und unzählige Bewerbungen – „bei 250 habe ich aufgehört zu zählen“ – eine Stelle folgte nicht. Dirk Tenbensel war ratlos.

Das änderte sich erst, als er im Sommer 2014 in das Team JobOffensive wechselte und dort auf seinen Vermittler Andreas Haske traf: „Wir setzen in der JobOffensive auf eine enge Betreuung“, so Haske, „um gemeinsam mit dem Kunden rasch das passende Berufsziel zu finden und dann loszumarschieren.“ Bei Dirk Tenbensel war die Richtung schnell klar. Er wollte weiterhin mit alten Menschen arbeiten, jedoch nicht in der Pflege. Hier konnte Andreas Haske mit der Fachkraft für Betreuung ein neues, nachgefragtes Berufsfeld ins Spiel bringen, für das sich Tenbensel begeistern ließ. Es folgten eine Qualifizierung zur Betreuungskraft, eine Handvoll Bewerbungen und dann die Stelle.

So einfach wie bei Dirk Tenbensel war es nicht bei allen JobOffensive-Kunden. Etwas über 5.000 Kunden durchliefen in den letzten zwei Jahren die Intensiv-Betreuung und viele mussten erstmal einen Perspektivwechsel vornehmen, wie Andreas Haske es nennt: Weg vom Wunschberuf hin zu einem realistischen Ziel. Denn bei der JobOffensive steht ganz klar die schnelle Vermittlung in Arbeit im Vordergrund. Wichtig ist dabei nicht so sehr die perfekte Qualifikation als vielmehr eine hohe Motivation und der Wille, schnell in Arbeit zu kommen.

Den hatten die Kunden, ganz eindeutig: Von den rund 5.000 Kunden fanden gut 2000 Personen einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz und weitere 60 machten sich selbständig. Das entspricht einer Integrationsquote von knapp 42 Prozent, die damit doppelt so hoch ist wie die Integrationsquote aller Kunden des Jobcenters. Besonders erfreulich ist die hohe Nachhaltigkeit der Vermittlungen: Sieben von zehn hatten ihren Arbeitsplatz auch nach vier Monaten noch inne.

Bei Dirk Tenbensel und dem St. Anna-Stift soll das nicht anders sein, wie Christine Bischoff, Geschäftsführerin des Pflege- und Wohnheim, sagt: „Wir haben uns ganz bewusst für Herrn Tenbensel entschieden, weil er als älterer, lebenserfahrener Kollege viel Ruhe ins Team wie ins Haus bringt und weil er wie jeder Arbeitslose eine neue Chance verdient hat.“

Dirk Tenbensel will diese Chance, die ihm die JobOffensive verschafft hat, nutzen. Und auch allen anderen Jobcenter-Kunden steht sie weiter offen. Zwar endet das NRW-Modellprojekt offiziell am 31. März 2015; aber im Jobcenter Bochum, einem von insgesamt 13 teilnehmenden Jobcentern, ist dann nicht Schluss. Die Ergebnisse der letzten zwei Jahre waren so überzeugend, dass Geschäftsführung und Trägerversammlung kurzerhand entschieden, die Intensiv-Betreuung dauerhaft als besondere Dienstleistung für motivierte Kunden anzubieten. Ab dem 1. April wird ein neues Team aus dann sieben Vermittlern die JobOffensive Bochum fortführen.