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26.02.2018 09:25 Alter: 231 Tage
Von: Johannes Rohleder

Durchstarten mit dem Gabelstapler

Am Bochumer Standort des globalen Logistikunternehmens DSV bekommen Flüchtlinge eine Chance“


Angekommen in Deutschland: Abdiqani Ahmed und Bahuz Abdo (v.l.n.r).

Vier gewinnt. Abdiqani Ahmed, Bahuz Abdo, Nikolaus Pietas und Steffen Schlesiger (v.l.n.r).

Als Bahuz Abdo und Abdiqani Ahmed aus ihren Heimatländern nach Deutschland flohen, hatten sie weder Berufsabschluss noch Deutschkenntnisse. Denkbar schlechte Voraussetzung für einen beruflichen Neuanfang. Heute können sie sich auf Deutsch verständigen, haben einen Gabelstaplerführerschein und hat der eine einen festen Arbeitsplatz am Bochumer Standort des globalen Logistikunternehmens DSV, der anderen einen in Aussicht. Und sie sind nicht allein: Insgesamt neun Flüchtlingen haben bereits im letzten Jahr ihren Arbeitsplatz bei DSV gefunden, acht weitere sind gerade in einem 6-wöchigen Vorbereitungspraktikum.

„So zuverlässige, absolut pünktliche Mitarbeiter finden wir nicht alle Tage“ freut sich Betriebsleiter Nikolaus Pietas über seine neuen Kollegen. Für ein Logistikunternehmen sind diese Eigenschaften unabdingbar, bei jedem der 110 bis 120 Mitarbeiter, die DSV am Standort Bochum beschäftigt. Rund 250 Filialen einer großen Drogeriemarktkette werden von hier aus beliefert, 30.000 Paletten verlassen das Lager in Stahlhausen jeden Monat. „Wir suchen eigentlich immer Mitarbeiter und da lag es auf der Hand, auch geflüchteten Menschen eine Chance zu geben“, so Pietas. Und an dieser Stelle kam das Jobcenter Bochum ins Spiel.

„Wir können Unternehmen bei der Einstellung von Mitarbeitern sehr individuell unterstützen, damit es am Ende für beide Seiten ein Erfolg wird“, sagt Steffen Schlesiger, Ansprechpartner für Arbeitgeber im Jobcenter. Gemeinsam setzten sich Schlesiger und Pietas zusammen und entwickelten im Herbst letzten Jahres einen Einarbeitungsplan. Kernelement war ein 6-wöchiges Praktikum, bei dem die Flüchtlinge die Arbeit von Grund auf kennenlernten. DSV stellte hierfür einen erfahrenen Mitarbeiter ab, das Jobcenter wählte sechs geeignete Bewerber aus, finanzierte einen Gabelstaplerschein und schickte bei Bedarf ein Dolmetscher ins Unternehmen, um bei Sprachproblemen zu unterstützen.

Der Erfolg spricht für sich. Alle 6 Flüchtlinge des ersten sowie 3 aus dem zweiten Durchgang erhielten im Anschluss einen Arbeitsvertrag. Bahuz Abdo ist einer von ihnen. Der 23 Jahre alte Syrer kam Ende 2014 nach Deutschland. Im Sommer letzten Jahres schloss er seinen B1-Sprachkurs ab und danach wollte er nur noch eines: Arbeiten. „Ich will auf eigenen Füßen stehen, selber mein Geld verdienen“. Das tut er heute. Seit November bezieht er kein Geld mehr vom Jobcenter.

Steffen Schlesiger freut das: „Wir haben viele motivierte Flüchtlinge; was wir brauchen, sind Arbeitgeber, die ihnen eine Chance geben.“ Über 600 Flüchtlinge konnte das Jobcenter 2017 in Arbeit vermitteln, aber eine so gute Zusammenarbeit wie mit DSV ist noch die Ausnahme.

Aktuell läuft das dritte Praktikum und Abdiqani Ahmed ist hochmotiviert bei der Sache. Der 39-jährige Somalier hat in seiner Heimat als Lagerhelfer gearbeitet und auch in Deutschland schon bewiesen, dass er anpacken kann. Seinen Job als Bauhelfer hat er im letzten Jahr nach 6 Monaten wieder verloren. Wegen der Sprache, wie Ahmed erklärt. Also hat er noch einen Sprachkurs absolviert und hofft jetzt darauf, bei DSV bleiben zu können: „Es ist sehr gut hier. Die Kollegen sind nett und die Arbeit macht Spaß.“

Bahuz Abdo steht daneben und nickt. Seit dem zweiten Durchgang dolmetscht er für die Kollegen und sucht jetzt nach einem Sprachkurs, parallel zur Arbeit. Zwei, drei Jahre will er auf jeden Fall bei DSV bleiben, richtig Deutsch lernen und dann vielleicht noch eine Ausbildung dranhängen: Kfz-Mechatroniker, das wäre toll.

Interessierte Arbeitgeber erreichen Steffen Schlesiger und seine Kollegen vom Vermittlungsservice des Jobcenter Bochum unter 0234 / 93 63-11 15.